Wofür eigentlich? Ein Sinn-Intro zum Blog

Wenn man der Idee folgt, dass es keine Zufälle gibt, sondern maximal Fügung oder Schicksal, dann ist dieser Blog irgendwie zwingend: Drei Tage spannender Impulse — ein bereicherndes persönliches Gespräch, zwei Tage Pathfinder Festival von Intrinsify in Berlin und ein Dialog-Tag zur Reflexion von Selbstorganisation und „Agilität“ — waren immer wieder angereichert mit der Einladung, doch endlich aufzuschreiben, was man meint zu sagen zu haben. Also fange ich heute an, in loser Folge laut zu denken. Vielleicht geht etwas in Resonanz.

Wofür tun wir etwas?

In den letzten Tagen blitzte in vielen Dialogen immer wieder ein Thema auf: Wofür tun wir etwas? Als Team, als Unternehmen, als Individuum. Oftmals ist die Antwort zunächst die Beantwortung einer anderen Frage — der nach dem Warum: ein Auftrag vom Chef, eine Gewohnheit, eine empfundene Verpflichtung. Und wie oft stellt man dann fest, dass man mit dem Tun ins Stocken kommt? Dem erstbesten Schweinehund, der um die Ecke lugt, gelingt es, die Motivation zu verschrecken und den Zweifeln das Zepter in die Hand zu geben. Oder man bemerkt irgendwann ein Energiedefizit, ohne das Gefühl zu haben, irgendwie nennenswert vorangekommen zu sein. Was der Einzelne bei sich schon mal erlebt hat, erleben auch Teams, Projekte und ganze Unternehmen.

In nicht unerheblichem Maße ist das offenbar gerade Kennzeichen so mancher Agilitätsinitiativen: „So ein Thema, das in aller Munde ist, muss ja auch für uns relevant sein“ — unabhängig davon, ob man überhaupt ein passendes Problem für Lösungen wie Agilität oder Selbstorganisation hat. Dabei wird enthusiastisch verwechselt, dass agiles Projektmanagement etwas anderes ist als agile Führung und agile Organisationsgestaltung. Und übersehen, dass nachhaltige Veränderung in sozialen Systemen mehr erfordert als die flotte Einführung ein paar neuer Methoden frei nach dem Motto „Agil in 5 schnellen Schritten“. Deshalb ist „agil“ schon gefährlich nahe am Buzzword-Friedhof.

Sinn als Orientierung

Dass es alle machen, ist halt keine dauerhafte Motivationsunterstützung. Es braucht ein lohnenswertes Ziel, einen Nutzen — oder anders formuliert: Es muss den Beteiligten Sinn machen. Was haben wir davon, wenn wir diesen Weg einschlagen? Was möchten wir für wen erreichen? Nicht selten würde man feststellen, dass der ein oder andere Beteiligte das eher als Zwangsbeglückung empfindet, die über aus der jeweiligen Perspektive berechtigte Bedürfnisse, Ängste, Sorgen und Wünsche hinwegfegt. Das erfordert Achtsamkeit in jeglichen Formen von Organisationsentwicklungsvorhaben für die Menschen und ihre Bedürfnisse.

Nicht zuletzt aus diesem Grund nimmt der Aspekt des Sinns einen so großen Raum in unserer Metapher von einer Organisation — dem Organisationsbaum — ein.

Sinn im Organisationsbaum

Mit dem Blick auf Unternehmen als lebendige, soziale Systeme liegt die philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens einer Organisation nicht so fern. Legt man den Gedanken des bloßen Überlebens als ausreichende Sinnstiftung einmal zur Seite, dann ist der Organisations-Sinn — die Absicht oder der Purpose — der Orientierung gebende Leuchtturm. Mit einem solchen Leuchtturm vor Augen wird Energie in Bahnen gelenkt und Motivation in den meist arbeitsintensiven Veränderungsprozessen unterstützt.

In der Krone des Organisationsbaums blickt man dabei aus drei Perspektiven auf die Sinnstiftung:

  • Die klassische Sinnstiftung im Sinne einer Nutzenvermittlung oder Problemlösung für die Kunden: Welche Probleme lösen wir für unsere Kunden?
  • Welche Sinnstiftungen — auch über das reine Gehalt hinausgehend — erfahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
  • Welchen Sinn stiftet die Organisation über den „Tellerrand“ des Unternehmens hinaus? Welchen Beitrag gestaltet sie zu einer zukünftigen Welt und Gesellschaft?

Diese Sinnstiftungen sind der Ort, auf den die Energien ausgerichtet sind, die die Organisation aus dem Wurzelwerk ihrer Identität zieht, und die im Stamm des Baumes gerahmt werden. Ohne diese Fokussierungsmöglichkeit läuft die Organisation Gefahr, in Erschöpfung, Stillstand oder gewohnheitsmäßige Routine zu geraten.

Und wofür dieser Blog?

Mit den drei Sinnkomponenten beantwortet könnte das Wofür darin liegen:

  • Inspirationen und Entwicklung sowie Dialog anstoßende Irritationen und Impulse für die Leserinnen und Leser.
  • Eine Möglichkeit für uns, Resonanz zu erfahren, die auch unsere Entwicklung von Ideen und Ansätzen fördert.
  • Wir sind der Überzeugung, dass die Orientierung auf Sinn und Absicht sowie die Gestaltung von Arbeitswelten, in denen Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, ihre Kompetenzen sinnstiftend einbringen können und Wirksamkeit in Selbstverantwortung und Selbstorganisation erleben können, wertvolle Beiträge angesichts der Herausforderungen unserer Zeit sind. Dazu möchten wir einen Beitrag leisten.

Womit es zumindest schon mal gesagt wäre…

(Autor: Thorsten Franz)

Interesse an einem Gespräch zu diesem Thema?

Tobias Dech

Tobias, Jg. 1976, Diplom-Pädagoge · Organisationsbegleitung, Coaching, Facilitation, Visualisierung

Tobias ist Experte für Ambivalenzmanagement — und einer der wenigen Berater, die Kampfkunst, Pädagogik und Humor in einen Raum bringen. Mit praxiserfahrenem Blick als Coach, Berater, Trainer und Mediator begleitet er Menschen und Organisationen auf ihrer Entwicklungsreise.

Was ihn auszeichnet: Er meistert Herausforderungen spielerisch — und macht durch Visualisierung sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt.